Getreideertrag trotz Trockenheit im Durchschnitt

12.08.2015
Von: Von: Ulrike Mayerhofer

Der erwartete tiefe Einschnitt ist ausgeblieben: Trotz der extremen Trockenheit blickt die ZG Raiffeisen auf eine zufriedenstellende Getreideernte 2015.


„Bei teilweise starken regionalen Schwankungen liegen Menge und Qualität insgesamt im Durch-schnitt der vergangenen Jahre“, sagt der Vorstandsvorsitzende Dr. Ewald Glaser bei der Getreidepressekonferenz am 11. August auf dem Hofgut Maxau in Karlsruhe. Regional fast schon dramatische Auswirkungen hat der Wassermangel allerdings auf die Maisernte.

Nachdem das Erntegut im vergangenen Jahr unter extremer Feuchtigkeit gelitten hat, fiel 2015 in der Vegetations- und Reifephase viel zu wenig Niederschlag. „Derzeit bekommen wir sehr deutlich zu spüren, wie unmittelbar das Agrargeschäft vom Wetter abhängt“, so Glaser: „Sowohl für die Landwirte als auch für uns als Vermarkter ist die Herausforderung immens.“ Hinzu kommt noch, dass auch die Preise im Zuge der Globalisierung immer volatiler werden. Aktuell geraten sie unter Druck, da die weltweite Ernte auskömmlich ausfällt.

Im Arbeitsgebiet der ZG Raiffeisen hingen die Ertragsmengen aus der extrem früh gestarteten Ernte vor allem von den Standorten ab: „Auf den leichten Böden in der nördlichen Rheinebene hat sich der Wassermangel sehr viel stärker bemerkbar gemacht als weiter südlich“, sagt Franz Utz, Geschäftsbereichsleiter Vermarktung. Beim Winterweizen etwa schwankte das Ertragsniveau je nach Standort zwischen 5 und 10 Tonnen pro Hektar. In Nordbaden sei der Ertragsrückgang mit 15 Prozent gegenüber 2014 am höchsten.

Während einzelne Sorten wie etwa die Wintergerste mit einem Ertragsniveau von bei 4 bis 8 Tonnen pro Hektar die Erwartungen der ZG Raiffeisen-Experten sogar übertrafen, litten andere deutlich unter der Trockenheit. Für Sojabohnen beispielsweise rechnet die Genossenschaft mit einer deutlichen Ertragsdepression. Die erfasste Menge an Raps liegt infolge der verringerten Anbaufläche und des niedrigeren Ertrags um 20 Prozent unter der des Vorjahrs.

Positiv bewertet die ZG Raiffeisen den anhaltenden Anstieg der Anbauflächen in Baden-Württemberg. Diese wuchs 2015 um knapp 50 Prozent auf 5.985 Hektar an. „Das bedeutet Rückenwind für eines unserer wichtigsten Themen“, betont Glaser: Das Tochterunternehmen Raiffeisen Kraftfutterwerk (RKW) Kehl verzichtet bei der Mischfutterherstellung komplett auf gentechnisch veränderte Sojabohnen, die bislang zum großen Teil aus Brasilien importiert werden müssen. Zuletzt konnte die Genossenschaft ihre Erfassungsmengen von heimischer Soja aber kontinuierlich steigern.

Während bei Soja die Flächenausdehnung den wetterbedingt schwächeren Erträgen entgegenwirken wird, ist die Situation beim Mais aus Sicht der ZG Raiffeisen teilweise verheerend: „Wir rechnen mit einem Erfassungsrückgang um etwa 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr“, sagt Dr. Ewald Glaser. Auf schwächeren Standorten, die über ein geringes Wasserhaltevermögen des Bodens verfügen, sei zum Teil mit Totalausfall zu rechnen.

Markt- und Preisentwicklung verschärfen die Situation zusätzlich. „Die aktuelle Preiskonstellation könnte innerhalb der EU zu einem Importanstieg vor allem aus der Ukraine führen und den Maiseinsatz im Mischfutter sowie in der Stärkeproduktion sinken lassen“, erläutert Franz Utz. Da der Bedarf der Mais verarbeitenden Betriebe derzeit gut gedeckt sei, blieben die Preise niedrig.

Deutliche niedrigere Erträge fallen mit niedrigen Preisen zusammen: Dieser Konstellation stehen Landwirte und Vermarkter wie die ZG Raiffeisen derzeit gegenüber. „Aus regionaler Sicht ist dieses fatale Zusammentreffen unverständlich, unter dem Blickwinkel Globalisierung und damit weltweit freier Märkte jedoch nachvollziehbar“, sagt Vorstandvorsitzender Glaser. Umso mehr sieht er die Genossenschaft in der Pflicht, wirtschaftlichen Schaden mit Hilfe effizienter Vermarktungsmodelle zu verhindern oder zumindest zu begrenzen. „Dass uns dies auch in diesem schwierigen Jahr vielfach gelungen ist, zeigt unsere Leistungsfähigkeit als Vermarkter“, betont Franz Utz. Ein probates Mittel angesichts der volatilen Märkte seien etwa Vorverträge zu einem Zeitpunkt, an dem die Preise ein kurzfristiges Hoch erreichen.

Gut beraten waren alle Landwirte, die auf das aktive Betreiben der ZG Raiffeisen bereits im Juli Weizenkontrakte abschlossen. Da hatte sich der Preis an der Warenterminbörse Matif (Marché à Terme International de France) in Paris gerade extrem positiv entwickelt. „Wer unserer Empfehlung gefolgt ist, erzielte Preise, die sogar über denen des Vorjahrs lagen“, so Glaser. Nach den positiven Erntemeldungen aus den wichtigen Produktionsgebieten West- und Osteuropas sowie der USA haben die Preise an der Matif inzwischen wieder nachgegeben.

 

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