"Das wird ein spannender Herbst" - Getreide-Pressekonferenz 2014 in Iffezheim

12.08.2014
Von: Jens Kreutzfeldt

Die Getreideernte in Baden stand 2014 unter schwierigen Vorzeichen, fiel aber besser aus als anfangs befürchtet. Für die Mais- und Soja-Ernte sind die Aussichten dagegen sehr gut. Vorstand und Vermarktung der ZG Raiffeisen zogen eine erste Bilanz auf ihrer traditionellen Getreide-Pressekonferenz, die in diesem Jahr in Iffezheim stattfand.


Es bleibt spannend: Vorstandsvorsitzender Dr. Ewald Glaser (Mitte) und Vermarktungschef Franz Utz (rechts) auf der Getreide-Pressekonferenz 2014 (Foto: ZG Raiffeisen)

Es bleibt spannend: Vorstandsvorsitzender Dr. Ewald Glaser (Mitte) und Vermarktungschef Franz Utz (rechts) auf der Getreide-Pressekonferenz 2014 (Foto: ZG Raiffeisen)

Eine insgesamt gute Getreide- und Rapsernte 2014 ist in Baden größtenteils bereits abgeschlossen. Bei überwiegend guten Aufwuchsbedingungen litten viele Kulturen im Frühjahr unter anhaltender Trockenheit und dann unter Dauerregen. Der anhaltende Regen hat vielerorts die Einbringung der Ernte erschwert und bei verschiedenen Kulturen zu Auswuchsproblemen geführt. Während die Erntemengen größtenteils den Erwartungen entsprechen, sind die Qualitäten daher insbesondere beim Weizen unterdurchschnittlich. Die Aussichten für die Mais- und Soja-Ernte sind dagegen sehr positiv. Wie das Frühwarnsystem der ZG Raiffeisen zeigt, wurden in den bisher geernteten Getreidemengen nur geringe Mykotoxinbelastungen festgestellt, die weit unter dem gesetzlichen Höchstwert lagen. Positiv bleibt festzuhalten, dass die ZG Raiffeisen eine über 10 Prozent bessere Vorvertragsquote für die Ernte 2014 erreicht hat.

Keine Missernte

"Es ist noch nicht so lange her, da hätten derartige Umstände zu einer Missernte geführt", sagte Vorstandsvorsitzender Dr. Ewald Glaser auf der Pressekonferenz. Weder die damaligen Drusch- noch die Erfassungskapazitäten hätten die Einbringung der Ernte in einem so kurzen Zeitraum bewältigen können, da bei Regen nicht gedroschen werden kann. Neben den bereits abgeschlossenen Modernisierungen werde die ZG Raiffeisen daher konsequent weiter in ihre Erfassungskapazitäten investieren.

Die Preise bleiben nach dem Überangebot des vergangenen Jahres und angesichts der weltweit hohen Ertragsprognosen unter Druck. „Wer unsere exklusiven Vermarktungsmodelle zur Preisabsicherung für Mitglieder genutzt hat, ist von negativen Preisentwicklungen weitgehend verschont geblieben“, betonte Glaser.

Kontrakttreue ist unsere höchste Tugend

Mittel- oder langfristige Auswirkungen der niedrigeren Qualitäten, etwa auf Preis- und Einkommensentwicklung im Agrarsektor, seien derzeit noch nicht absehbar. Auch hier seien Mitglieder der ZG Raiffeisen mit ihren Vermarktungsmodellen gut aufgestellt. „Auch wenn die eingefahrene Ernte die vorkontraktlich vereinbarten Qualitätsparameter nicht erfüllen sollte, werden wir nicht mit dem aktuellen Futterweizenpreis abrechnen“, versicherte Glaser. „Wer frühzeitig sein Getreide über die ZG Raiffeisen vermarktet hat, wird zwar Abschläge hinnehmen müssen, jedoch in den allermeisten Fällen deutlich über dem aktuellen Futterweizenpreis liegen.“Kontrakttreue (in beide Richtungen) sei für die ZG Raiffeisen die höchste Tugend, denn anders könne ein solches System nachhaltig nicht funktionieren.

Importstopp, kein Exportstopp

Ein großes Thema in der Diskussion waren natürlich der Konflikt in der Ukraine und der russische Importstopp für Lebensmittelerzeugnisse aus der Europäischen Union. "Es ist ein Importstopp, kein Exportstopp", erinnerte ZG Raiffeisen-Vermarktungsschef Franz Utz. Den Zugang zum EU-Markt wolle Russland sich unbedingt offenhalten. Die Auswirkungen seien vorerst vor allem leere Regale in russischen Supermärkten. Allerdings schlummere hier ein erhebliches Konfliktpotenzial für die Preisentwicklung, immerhin gehe es bei der Getreideproduktion von Russland und der Ukraine zusammen um etwa 20 bis 30 Prozent des Weltmarktes.

Die Ukraine liefert weiter

Nach derzeitigem Stand produziere und liefere die Ukraine trotz des Konfliktes weiter Getreide und könne auf diesen Wirtschaftszweig auch nicht verzichten. Selbst wenn die Häfen auf der Krim kriegsbedingt ausfallen sollten, böten Odessa und Mykolaiew genügend Kapazitäten für 45 Millionen Tonnen Jahresumschlag.

Die direkten Auswirkungen des Importstopps seien für die deutsche Landwirtschaft seien gering, Sorge bereiteten dagegen die indirekten Auswirkungen, die noch nicht vollständig absehbar seien, sagte Glaser. Polen als einem der größten Obstexporteure sei nun der Zugang zum russischen Markt verwehrt, weshalb man damit rechnen müsse, dass diese Ware nun auf den deutschen Markt und damit auf die Preise drängen werde. "Das wird noch ein spannender Herbst", meinte Glaser.

Die Preisentwicklung drückt auf das erste Halbjahr 2014

Traditionell blickte der Vorstand auf der Getreide-Presskonferenz auch auf die ersten sechs Monate des laufenden Geschäftsjahres in der ZG Raiffeisen-Gruppe zurück. Insgesamt sankder Umsatz der ZG Raiffeisen-Gruppe im ersten Halbjahr 2014 um 12,5 Prozent auf 688 Mio. Euro. Diese Entwicklung sei vor allem auf die negative Tendenz bei den weltweiten Getreidepreisen und die witterungsbdingten Einbrüche beim Energiegeschäft zurückzuführen.

Vor dem Hintergrund der bereits eingefahrenen guten Raps- und Getreideernte, allerdings bei einem deutlich abgesenkten Getreidepreisniveau, sowie einer zu erwartenden guten Maisernte geht Glaser für das Jahr 2014 von einem Umsatzrückgang von rund 5 Prozent für die ZG Raiffeisen-Gruppe aus. Das voraussichtliche Ergebnis für die ZG Raiffeisen-Gruppe liegt über dem des Vorjahres, sodass Glaser weiterhin mit einer Dividende und Warenrückvergütung von rund 1,6 Mio. Euro rechnet.

 

 

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