Wer weit kommen möchte, geht gemeinsam

25.06.2013
Von: Jens Kreutzfeldt

Am 21. Juni 2013 hatte die ZG Raiffeisen eG zu ihrer 102. Mitgliederversammlung ins Kongresszentrum in Baden-Baden geladen. Rund 450 Mitglieder und Gäste blickten bei bestem Sommerwetter auf ein turbulentes Geschäftsjahr 2012 zurück und konnten dabei auch neue Gesichter der Genossenschaft kennenlernen.


Aufsichtsratsvorsitzender Karl Rombach eröffnet die 102. Generalversammlung der ZG Raiffeisen (Foto: Stefano Colli)

Aufsichtsratsvorsitzender Karl Rombach eröffnet die 102. Generalversammlung der ZG Raiffeisen (Foto: Stefano Colli)

Oberbürgermeister Wolfgang Gerstner dankte in seinem Grußwort dem „Wettergott“ für ein Einsehen, nachdem in der Nacht zuvor wie in anderen Regionen Deutschlands auch orkanartige Unwetter über das Rebland hinweggezogen waren. Es folgte der traditionelle Bericht des Vorstandes über das vergangene Geschäftsjahr. Mit rund 1,6 Milliarden Euro konnten die Unternehmen der ZG Raiffeisen-Gruppe ihren Gesamtumsatz um 21,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern. Angesichts der zahlreichen Wetterkapriolen im Vorjahr, mit massiven Auswinterungsschäden vor allem im im Norden des Arbeitsgebietes und Saisoneinbrüchen im Endverbrauchergeschäft, zeigte sich Vorstandvorsitzender Dr. Ewald Glaser mit diesem Ergebnis zufrieden.

Den vollständigen Bericht mit allen Fotos von der Veranstaltung finden Sie auf den Internetseiten unseres Mitgliederwesens 


Rückblick auf das vergangene Geschäftsjahr

Aus dem erwirtschafteten Gewinn kann die ZG Raiffeisen für das Geschäftsjahr 2012 Vergütungen und Dividendenleistungen von insgesamt 1,5 Millionen Euro an ihre Mitglieder ausschütten. Weitere Informationen zum Geschäftsjahr 2012 finden sich im Geschäftsbericht sowie in unseren Pressemitteilungen. Weitere Schwerpunktthemen des Verstandsberichtes waren das Investitionsniveau in der Landwirtschaft, der massive Einbruch in der Schweinehaltung im Herkunftsland des Schwarzwälder Schinkens, Informationsangebote für Landwirte sowie die grüne Gentechnik.

Neuer kaufmännischer Vorstand

Auf der Generalversammlung stellte sich außerdem der neue kaufmännischer Vorstand Gary Rölle den Mitgliedern vor, der mit Wirkung zum 1. Juli 2013 die Nachfolge von Dr. Ralf Wiebe antritt. In seiner kurzen und sehr persönlichen Vorstellungsrede erklärte der verheiratete Vater einer fünfjährigen Tochter, dass er in seiner langjährigen Zeit bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft für sich die Einsicht gewonnen habe, dass ein wirklich nachhaltiges Wirtschaften am besten bei nicht-börsennotierten Unternehmen möglich sei. Sein jetziger Wechsel von einem familiengeführten zu einem genossenschaftlichen Unternehmen sei nun der konsequente nächste Schritt, denn welchen besseren Rahmen könne man sich für nachhaltiges Wirtschaften vorstellen als den genossenschaftlichen Gedanken? Diese Philosophie brachte Rölle auf die Formel: „Wer schnell sein will, geht allein, wer weit kommen möchte, geht mit anderen!“

Dialog tut Not

Als Gastredner hatte die ZG Raiffeisen Dr. Clemens Dirscherl gewinnen können, den Agrarbeauftragten der evangelischen Kirche Deutschlands (EKD). Er sprach zum Thema „Landwirtschaft im Spiegel gesellschaftlicher Erwartungen“. Dirscherl zeichnete in seinem Vortrag das beklemmende Bild einer hochprofessionalisierten Landwirtschaft, die den häufig widersprüchlichen Erwartungen und Bedürfnissen der heutigen Gesellschaft in Deutschland oftmals ebenso sprachlos wie hilflos gegenüberstehe. Diese gesellschaftlichen Erwartungen hätten ihre Wurzel wiederum in einem allumfassenden Wertewandel, den unser Land seit einigen Jahren erlebe, und einer daraus resultierenden Sehnsucht nach Werteorientierung.

Kein "Agribusiness" ohne "Agrikultur"

Diese Kluft zwischen „Agribusiness“ und „Agrikultur“ könne nur durch Dialog überwunden werden. Dirscherl wünschte den Landwirten und ihren Organisationen dafür mehr Offenheit gegenüber kritischen Tönen aus der Gesellschaft. Ein kritischer Dialog sei keine Bedrohung, sondern vielmehr eine Chance.

„Eine Landwirtschaft, die nicht fähig zum Dialog ist, wird von der Gesellschaft immer wieder hinterfragt werden“, sagte Dirscherl. Schließlich finde Landwirtschaft in, für und mit der Gesellschaft statt, die ihr Auftraggeber sei. Technische Professionalisierung allein genüge dafür nicht. Vielmehr müsse die Landwirtschaft ihre eigene, werteorientierte Unternehmensethik finden, ein moralisches Fundament, so Dirscherl, mit dem „wir eben zu dem Ziel kommen, Landwirtschaft für die Gesellschaft und nicht gegen die Gesellschaft zu betreiben.“

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